Weitere Erklärungen Christi über die Schrift der Juden

Ein jugendlicher Zuhörer, mit Namen Johannes Burger, dessen Vater beim Prokurator Pilatus Kämmerer war, nahm sich der kleinen Mesa an und führte sie in das Haus des Pilatus zu seinen Eltern. Mesa wurde von diesen liebevoll aufgenommen und nachher dem Weibe des Pilatus, Claudia, vorgestellt, welche dann das Mädchen in ihre Obhut nahm.
Claudia litt an einem unheilbaren Leiden; sie war an beiden Füßen gelähmt. Sie hatte oft von Johannes über die Lehren und Heilungen Christi gehört. Diesmal fasste sie endlich den Entschluss, Christus selbst zu bitten, dass er sie heile.
Pilatus sträubte sich sehr, sein Weib Claudia zu Christus bringen zu lassen. Er sagte zu ihr:
„Jetzt bist auch du in diesen Wundermann verrückt!"
Nach vielem Bitten willigte er jedoch ein und bemerkte:
„Man hört zwar vieles von dem Wundermann, sogar dass er angeblich Tote erweckt. Heilt er dich wirklich, dann brauchst du mit dem Geld nicht zu sparen; sonst sei vorsichtig und zahle erst, bis du geheilt bist; aber nicht früher!"
Johannes erklärte Pilatus, dass Christus kein Geld annehme und allein aus Nächstenliebe allen helfe. Er sagte immer: „Hast du etwas übrig, so gib es dem, der weniger hat als du."
Pilatus lachte über die Worte des Johannes und ging kopfschüttelnd zu seinen Offizieren.
Am nächsten Tag um die dritte Stunde ließ sich Claudia von vier Dienern auf einem Tragsessel zu Christus bringen. Johannes musste mitgehen. Beim Durchschreiten des Herodes-Tores stand die Torwache Spalier. Da der große Versammlungsplatz voll von Menschen war, die dicht aneinander standen, gingen einige Speerwerfer voraus, um einen Weg für Claudia frei zu machen.
Die Diener stellten den Tragsessel ungefähr zehn Schritte vor dem bereits zur Menge sprechenden Christus nieder und grüßten ihn nach römischer Sitte. Christus erwiderte den Gruß.
Pilatus hatte zwei seiner Vertrauten mitgeschickt, damit er von diesen sofort über alles Mitteilungen erhalten könne. Da die Anhöhe ziemlich steil war und der Tragsessel mit Claudia nicht gerade stehen konnte, mussten diesen zwei Diener von rückwärts stützen.
Christus unterbrach nach kurzer Zeit seine Rede und ging zu Claudia. Diese wollte nun Christus ihr Anliegen vorbringen. Sie brachte aber vor innerer Erregung kein Wort heraus. Sie war vom Anblick Christi so ergriffen, dass sie nicht sprechen konnte. Da sprach Christus zu ihr:
„Claudia, ich weiß alles! Ich will, dass du aufstehst und gesund bist!"
Claudia stand auf und war gesund. Sie fing vor Freude zu schluchzen an, kniete nieder und sprach:
„Mein Herr, ich danke Dir!
Alle guten Götter sollen Dich beschützen, damit Dir die bösen nichts anhaben können!"
Sie reichte Christus einen Beutel voller Goldstücke und Silbermünzen. Anschließend sagte sie zu ihm:
„Nimm dies einstweilen als Lohn. Zwanzigmal so viel habe ich bis jetzt ausgegeben und niemand konnte mich heilen."
Christus hob Claudia auf und erwiderte:
„Claudia, die Zeit ist nicht mehr fern, wo du mich erkennen wirst, weil dir die Unterscheidung des Guten vom Bösen nicht schwer fällt. Das Geld weise ich zurück.
Ich bin nicht gekommen, um hier auf Erden Güter zu sammeln. Ich bin gekommen, um den Menschen die Wahrheit zu sagen, damit sie mich als den Schöpfer des Alls und die Auswirkung meiner Vollkommenheit im Geiste erkennen und nicht in der Finsternis wandeln. Behalte das Geld und gib es Pilatus; er möge es den Armen schenken.
Sage ihm:
„Das Geringste, was einer dem andern gibt, das gibt er mir, weil er sich in meinem Geiste der Nächstenliebe betätigt. Denn, wer gibt, hat Freude dabei, so auch jener, der es nimmt und ebenfalls ich, wenn es in der Nächstenliebe geschieht."

Beim Zurückgeben des Beutels waren etliche Silbermünzen auf die Erde gefallen. Einige Oberen und Rabbi, die in der Nähe standen, hoben diese auf und hielten sie in der Hand. Zu ihnen sich wendend sagte Christus:
„Ich sehe, ihr wollt mich über das Geld und dessen Zweck befragen, um eine Anklage gegen mich erheben zu können.
Ich sage euch: Das Geld ist eine irdische Einrichtung und soll zum Ausgleich von Arbeit und Ware unter euch dienen. Das Geld wurde bereits vor mehr als Millionen Jahren von Völkern verwendet. Für diese war das Geld eine Wohltat; denn diese Völker lebten in meinem Geiste der Wahrheit und Nächstenliebe, weil sie damit einander dienten. Das Geld war nicht aus glänzendem Metall gefertigt, sondern bestand nur aus dünnen Holzscheiben, auf welche der Wert eingebrannt war. Das damalige Geld machte niemanden reich, da einer dem anderen diente und keiner für sich Schätze sammelte. Erst als Menschen auf diese Welt kamen, die sich mehr im Geiste der Lüge, Eigenliebe und Habsucht betätigten, wurde das Geld mehr im Gegengeiste, also im Geiste des Satans verwendet.
Seht, was heute das Geld bei euch bedeutet! So wie der Satan, euer Gott, in euren Schriften mit dem Gold feilscht und wirtschaftet, so macht auch ihr es.
Und welchen Wert messt ihr, seine Knechte, dem Gold bei?
Das Geld ist bei euch das Wichtigste und Höchste, denn, was ihr so mit List und Gewalt nicht erreichen könnt, das vollbringt ihr mit dem Geld. Das Geld aber macht euch selbst zu Sklaven. Betrachtet nur, welchen Neid das Geld bei euch verursacht, wie viel Blut an eurem Geld klebt und wie viel Unheil ihr mit dem Geld anrichtet. Ihr dient mit dem Geld nur dem Satan, der damit die gesamte Menschheit verblendet und beherrscht.
Schaut euch eine Münze an und sagt, welches Bild und welche Überschrift sich darauf befindet?"
Einige Schriftgelehrte riefen: „Des Kaisers!"
Christus antwortete ihnen:
„Also, des Führers eures Reiches! So ist das Geld Reichseigentum und gehört allen Bewohnern dieses Reiches. Es soll folglich von ihnen zum Ausgleich der geleisteten Arbeit und vorhandenen Waren untereinander und zur Begleichung der notwendigen Ausgaben des Reiches verwendet werden.
Ihr Judenoberen - ihr Heuchler - wollt mich prüfen, ob es erlaubt sei, dem Kaiser Zins zu zahlen?
Ich frage euch: Ist es euch erlaubt, von eurem Volk den Zins eines Zehnten zu verlangen? Außerdem bürdet ihr eurem Volk die Loskaufung der Erstgeburt von Söhnen und dem Vieh auf. Auf diese Weise wuchert ihr das Geld zusammen und entzieht es dem Volk. Ihr saugt das Volk bis aufs Blut aus, indem ihr mit dem Gewucherten noch weiteren, größeren Wucher treibt.
Was leistet ihr für den Zins? Dem Kaiser Zins zu zahlen, der für die gesamten Ausgaben des Reiches aufkommen muss, schmerzt euch sehr. Ihr selbst aber seid beim Nehmen unersättlich!
Betrachtet euch nur, welche Heuchler, Räuber und Mörder ihr seid! Ein Volk, das ihr Gottlose und Heiden nennt, welches jedoch tausendmal besser ist als ihr, hat kommen müssen, um euren Gewalttaten Einhalt zu bieten. Euer Volk kann untereinander ohne fremde Macht gar nicht leben. Es betrügt einer den anderen; jeder will mehr haben und fast keiner will ehrlich arbeiten. Darum sage ich euch:
Ihr werdet solange dem Kaiser Zins zahlen, solange er für euch Legionen braucht, um eurem gemeinen und abscheulichen Treiben Einhalt zu bieten. Werdet ihr euch nicht in meinem Geiste der Wahrheit und Nächstenliebe betätigen, so könnt ihr niemals zu einem Frieden gelangen!"
Claudia hörte den Ausführungen Christi aufmerksam zu und blieb bei Christus bis zum Abend. Gleich nach ihrer Heilung hatte sie ihre Diener mit dem Tragsessel nach Hause geschickt und diese beauftragt, dass sie Pilatus über alles Geschehene Bericht erstatten.
Christus setzte sich nun auf einen auf der Anhöhe liegenden Stein und begann, die Schrift der Juden weiter zu erklären:

„So berichtet die Schrift über weiteres Rauben und Morden der Hebräer, und wie dieser Gott, unter Androhung strenger Strafen, neue Gebote anordnete. Nur ihm allein solle sein auserwähltes Volk in Demut dienen, ihn immerfort verherrlichen, fürchten und viele Blut- und Brandopfer mit Schaubroten, Wein und Rauchwerk zu seinem über-süßen Geruch darbieten. Dieser Gott erzählte von sich, dass er ein feuer-fressender und eifernder Gott sei; seine Gebote sollten seine Auserwählten halten, damit sie leben könnten, es ihnen wohlergehe und ihre Tage verlängert würden in dem geraubten Lande.
Seht, wie sich dieser Gott hütet, etwas vom ewigen Leben zu sagen, damit ihr euch ja nicht daran erinnert und tiefer zu denken anfangt. Dafür verspricht er seinen Auserwählten Städte zu geben, die sie nicht erbaut, Häuser jeglichen Reichtums voll, die sie nicht errichtet, Wasserbrunnen, die sie nicht gegraben, Ölgärten und Weinberge, die sie nicht gepflanzt haben, dass sie davon essen und satt werden.
Er spricht zu seinen Knechten: 'Ihr seid ein heiliges Volk und ein eigentümlich Volk von allen Völkern auf Erden. Ihr werdet alle Völker auffressen, die der Herr, euer Gott, euch geben wird. Euer Auge schone ihrer nicht. Fürchtet sie nicht, denn der Herr euer Gott, ist in eurer Mitte - ein großer und schrecklicher Gott; er wird diese Völker ausrotten vor euren Augen allmählich, eines nach dem anderen. Andere Götter sollt ihr wie Unsauberkeit verabscheuen, und wie Kot und Unflat soll es euch ein Gräuel sein, denn sie sind verflucht. Hütet euch, dass euer Herz nicht verführt werde und ihr abweicht dem Herrn und fremden Göttern folgt und sie anbetet und der Herr erzürne und den Himmel verschließe, dass kein Regen komme und ihr schnell umkommt. Denn, wenn ihr die Gebote haltet, die ich euch gebiete, und sie befolgt, dass ihr den Herrn euren Gott, liebt und auf allen seinen Wegen wandelt und ihm anhängt, so wird der Herr alle diese Völker vor euch vertilgen, und ihr werdet euch derer bemächtigen, die größer und stärker sind als ihr. Jeder Ort, den euer Fuß betritt, wird euer sein; keiner wird euch widerstehen. Furcht und Schrecken wird der Herr, euer Gott, vor euch über das Land verbreiten, das ihr betreten werdet.'
Ich frage euch, ihr Oberen und Rabbi: Wie sieht bei euch erst der Geist des Satans aus, wenn ihr einen so rachegierigen und blutdürstigen Lügengeist den Geist eures Gottes nennt? Gibt es noch Ärgeres als diesen euren Gott? Seht, wie er euch segnet und zugleich flucht, wie er das Lachen und Weinen in einem Sack hat. Mit der rechten Hand segnet dieser Lügner und mit der linken Hand macht er eine Faust und verflucht euch. Dabei hat er heillose Angst vor den Wahrsagern, Zauberern, Traumdeutern und jenen, die die Toten befragen.
Da spricht er: 'Wenn in deiner Mitte ein Prophet aufsteht oder einer, der vorgibt, er habe einen Traum gehabt, ein Zeichen oder ein Wunder voraussagt, und es geschieht, was er gesagt, und er zu dir spricht, du sollst nicht mir, sondern einem anderen Gott dienen, so sollst du die Worte dieses Propheten nicht hören, denn ich prüfe dich nur damit, ob du mich lieb hast. Der Prophet soll aber alsbald getötet werden; deine Hand sei zuerst wider ihn. Die Völker, deren Land du besitzen wirst, hören auf Wahrsager und Weissager; du aber bist von dem Herrn, deinem Gott, anders unterrichtet.'
Seht, wie hier dieser Lügengott vorbaut, um ja nicht erkannt zu werden. Er spricht zu Moses:
'Einen Propheten aus deinem Volke wird dir der Herr, dein Gott, erwecken; nur den sollst du hören. Einen Propheten will ich ihnen erwecken aus der Mitte ihrer Brüder, der dir ähnlich ist, und ich will meine Worte in seinen Mund legen, und er wird alles zu ihnen reden, was ich ihm gebieten werde. Wer seine Worte, die er in meinem Namen reden wird, nicht hören will, an dem werde ich mich rächen.'
Darnach sollen alle Mittler, die nicht so wie bei Moses in seinem Rachegeist weissagen, ermordert werden. Auf diese Weise zwingt euch der Satan, nur an ihn blind zu glauben, und verbietet euch, die Wahrheit zu suchen und sie von der Lüge zu unterscheiden. Aber, an dem nicht genug. Dieser, euer Gott, schafft noch andere Gesetze.
Da heißt es unter anderem: 'Wenn du ausziehst wider deinen Feind zu streiten, so hüte dich vor allem Bösen. Wenn jemand unter euch ist, der im Traume des Nachts verunreinigt worden, der gehe hinaus vor das Lager und komme nicht zurück, bis er des Abends sich gewaschen mit Wasser und nach Sonnenuntergang komme er zurück in das Lager. Du sollst einen Ort außerhalb des Lagers haben, wohin du gehst zur Notdurft, und du sollst ein Schäuflein im Gürtel tragen und wenn du gesessen bist, so sollst du ringsum graben und mit Erde bedecken, was von dir gegangen und wovon du erleichtert worden bist; denn der Herr, dein Gott, wandelt mitten im Lager, dich zu erretten und dir deine Feinde zu übergeben. Aus diesem Grund soll also dein Lager heilig sein und nichts Unflätiges darin gesehen werden, auf dass er dich nicht verlasse.'
Also, der Raubzug und das Morden ist eurem Gott heilig. Wenn sich einer im Traume verunreinigt, so ist er unheilig - solange er sich nicht gewaschen hat. Die Notdurft darf nicht im Lager verrichtet und der Unrat soll mit einem Schäuflein Erde bedeckt werden. Seht, um das kümmert sich der Lügner. Ihr könnt dies aber von so manchem Tier lernen und braucht keinen Gott dazu.
Ihr Oberen und Rabbi, hört! Die Notdurft stinkt eurem Gott zu viel, aber der Gestank eurer Brandopfer ist für ihn ein über-süßer Geruch. Ich sage euch:
Es wäre für euch gut, wenn ihr euren Gott, den Satan, mit der Notdurft vertreiben könntet. Wohl ist es Pflicht des Menschen, seinen Körper zu reinigen, damit sich nicht Ungeziefer festsetzt und ihr gesund bleibt. Aber gerade ihr vernachlässigt dies so sehr und trachtet, den Schmutz durch ein schönes Kleid zu verbergen. Euer abscheulicher Geist fühlt sich dabei wohl. Doch wollt ihr keine Knechte des Satans sein, dann reinigt euch im Geiste, denn allein der Geist baut und formt den Körper. Euer abscheulicher Geist, in dem ihr euch betätigt, kommt eben durch euren Körper zum Ausdruck, wodurch ihr euch von den anderen Menschen so krass unterscheidet.
Eine Reinigung im Geiste tritt nur dann ein, wenn sich jeder mit seinem Willen von der Lüge und Bosheit zu befreien trachtet. Nicht die Speisen, die der Mensch in den Mund nimmt und isst, welche durch den Magen und seine Gedärme gehen und wieder ausgeschieden werden, verunreinigen seinen Körper, sondern der Geist, der aus seinem Munde spricht oder eine Handlung, die von ihm in diesem Geiste getätigt wird, wie lügen, heucheln, anderen fluchen, diese hassen, betrügen, andere berauben und morden. Dies allein verunreinigt den Geist des Menschen und überträgt sich dann auf seinen Körper in Form und Ausdruck.
Seht, ihr Oberen und Rabbi! So wie ihr euren unreinen Geist mit Worten der Heuchelei zu verhüllen trachtet, so verhüllt ihr auch euren unreinen Körper mit Gold behängten Kleidern, damit euch die Menschen blind glauben und gehorsam sind.“
An das Volk sich wendend, sprach Christus:
„Merkt euch! Wo Glaube - dort Unwissen, wo Unwissen - dort Lüge, wo Lüge - dort Bosheit, wo Bosheit - dort Unfrieden, wo Unfrieden - dort Hölle, und wo Hölle - dort ist der Satan!
Ich sage euch: Erkennt die Wahrheit und glaubt nicht! Die Wahrheit kann nicht geglaubt, sondern muss erkannt werden. In diesem Erkennen allein liegt das wahre Wissen. Nur wo dieses ist, besteht die wahre Nächstenliebe. Wo Nächstenliebe wohnt, dort herrscht Friede und wo dieser ist, dort bin ich, das geistig vollkommene Geisteswesen, der Ewige, der ich in Christus vor euch stehe. Glauben, Bündnisse, Gelübde, Eide und Schwüre braucht nur der Böse im Geiste - der Satan und seine Knechte -, um euch damit einzufangen. Eure Rede sei: Ja oder nein! Was darüber ist, ist Heuchelei und Lüge!
Hört, welche Flüche dieser traurige Gott - noch bevor Moses stirbt - ersinnt und in der Schrift hinterlässt. Es ist kaum etwas da, was durch diesen geistigen Auswurf nicht verflucht wurde. Pest, Armut, Heuschrecken, Geschwüre, Feigwarzen, Grind, Krätze, Wahnsinn, Blindheit, Raserei, Kälte, Hitze, Dürre, giftige Luft, Getreidebrand, Hunger, Schlangen, Blöße, Not, Brand, Faulen der Hüfte, Anschwellen des Leibes, so dass dieser berste, Essen der Leibesfrucht und anderes mehr, droht euch dieser Gott an, wenn ihr seine angeordneten Gebote nicht einhaltet.

Dann tritt Josua an die Stelle Moses. Dieser würdige Nachfolger Moses belügt und verführt das Volk weiter. Auf Befehl eures Gottes werden die Raubzüge seiner Auserwählten Jahrhunderte hindurch fortgesetzt, wobei einunddreißig Völker ganz oder beinahe ganz ausgerottet, beraubt und deren Führer getötet werden. Betrachtet nur, wie viel Blut an den Händen eurer Väter klebt, wie viele Jungfrauen dieser Völker mit Gewalt geschändet wurden, die euren Vätern Sklavendienste leisten mussten. Erst durch die Vermischung mit den Weibern dieser Völker mit hellerer Hautfarbe haben eure Väter die schwarze Farbe ihrer Haut weggebracht und so ein Volk geschaffen, das ihr Juden heute seid.
Hört ihr Oberen und Rabbi! Nur auf diese Weise wurde eure Herkunft abgestreift. Das Lügenmärchen vom Paradies, von Adam und Eva, Noah und dem Turm von Babel in eurer Schrift wurden eben deshalb geschaffen, damit eure wahre Herkunft nicht erkannt und euer Stamm für den der ersten Menschen gehalten werde. Genauso wie der Satan, so wollt auch ihr nicht, dass eure Herkunft und Rasse festgestellt werde. Es sind aber bis heute noch genug Überreste von früheren Völkern erhalten geblieben, welche Zeugnis über ihr einstiges Dasein geben.
Alle diese Völker waren Essener und ihre Überreste sind es bis auf den heutigen Tag geblieben. Sie standen bereits damals der Wahrheit über mich und das ewige Leben sehr nahe und zogen lieber den Tod vor, als sich von der Wahrheit abzuwenden, euren Rachegott anzuerkennen und sich an der Vorhaut beschneiden zu lassen. Sie waren sich dessen bewusst, dass euer Gott der Satan ist und ihr Juden seine Knechte seid.
Seht euch um, ihr werdet bemerken, wie viele Essener da unter euch sind und meine Worte hören. Sie sind und bleiben Zeugen der Wahrheit über mich. Bei ihnen bin ich als Mensch gekommen; sie haben mich erkannt und mit Freuden aufgenommen. Durch sie wird mein Kommen und mein Name erhalten bleiben und trotz aller Fälschung und Verstümmelung meines Geistes eurerseits den Menschen wieder die Wahrheit gegeben werden, wie ich sie euch jetzt gebe. Dann wird der Satan so wie ich - das geistig vollkommene Geisteswesen - vollauf erkannt werden.
Zu dieser Zeit werden die Menschen viel Trübsal haben. Das Treiben eurer und jener in meinem Namen eurem Gott dienenden Nachkommen werden diese Welt zur Hölle machen, in der die Menschen nicht mehr so weiterleben werden wollen. Sie werden die Knechte des Satans und ihre zum Glauben anbefohlenen Lügen erkennen und diese - ohne Furcht vor dem Rachegott - verwerfen. Es wird ihnen vor der Betätigung in diesem Geiste grauen und viele werden sagen:
'Ist der uns zum Glauben anbefohlene Gott nur für die Räuber, Wucherer und Ausbeuter da, um sie zu schützen, damit sie uns Arme ausbeuten und berauben können?'
Sie werden dann nach Gerechtigkeit rufen und sich wieder bemühen, mich, die Ewige Wahrheit, zu erkennen. So wird ihnen mein Geist in der Schrift wieder gegeben und zwar genau so, wie ich ihn zu euch spreche; und sie werden ihn annehmen. Die vielen Oberen und Priester eures Gottes werden ebenfalls darnach greifen müssen, da sie in ihrem abscheulichen Geiste nicht mehr weiterkönnen werden.
Weiter steht in der Schrift, wie die geraubten Länder unter den Juden aufgeteilt wurden und welche Raubzüge eure Väter gegen die Nachbarvölker durchgeführt haben. Dann wird über Samuel und Saul, zwei würdige Knechte eures Gottes, berichtet, denen ein noch größerer geistiger Auswurf, ein König David, nachfolgt. Dieser wurde deshalb Eidam des Königs Saul, weil er ihm ein Geschenk von zweihundert Vorhäuten von erschlagenen Philistern überbrachte. Sein Regieren war erfüllt von Streit, Hurerei, Raubzügen und Morden. Er ließ die Bewohner ganzer Städte hinausführen und bei lebendigem Leibe mit Messern und Sägen zerschneiden oder mit eisernen Wagen überfahren. Dieser tausendfache Mörder veranlasste noch auf dem Totenbett seinen Sohn Salomon zu schwören, die von eurem Gott - dem Satan - angeordneten Gräueltaten durchzuführen. Die letzten Worte Davids, den ihr euch heute zum Vorbild macht und als Heiligen verehrt, waren:
'Du, Salomon, bist ein weiser Mann und weißt, was du zu tun hast. Handle also nach deiner Weisheit und lasse Joabs graue Haare nicht in Frieden hinabkommen in die Grube. Auch lasse Semei, den Sohn Geras, nicht ungestraft und bringe seine grauen Haare mit Blut hinunter in die Grube.'
Mit diesem Fluch starb David. Und ich sage euch, er kam gleich zu seinem Gott, dem Satan, und wütet, so wie ihr, weiter im abscheulichen Geiste der Lüge und Bosheit. Ihr Oberen und Rabbi haltet aber den Massenmörder David für einen großen König und Heiligen, und viele von euch sind sogar stolz darauf, aus dem Geschlechte dieses Satansknechtes abzustammen.
Salomon, ein gelehriger und gehorsamer Sohn Davids, brachte alle jene in die Grube, die David nicht mehr hatte ermorden können. Salomon war nach der Schrift ein König der Weisheit und Herrlichkeit. Alle Reiche vom Fluss der Philister bis zur Grenze Ägyptens gehörten ihm; und Abgesandte brachten ihm Geschenke und dienten ihm alle Tage seines Lebens. Salomon hatte 700 Weiber zu Königinnen und 300 Kebsweiber. Seine Speise an jeglichem Tag waren dreißig Kor Weißmehl und sechzig Kor anderes Mehl, zehn Mastochsen, zwanzig Weideochsen, hundert Widder, ohne das Wildbret, die Büffel und die gemästeten Vögel.
Euch Oberen und Rabbi war somit Salomon ein Vorbild im Prasserleben. Seine Lüsternheit und Begierde stand hinter jener eures Gottes nicht weit zurück. Er hat dafür gesorgt, dass sein Gott nach seinem Plan ein würdiges Haus voll Gold, Silber, Geschirr und Altareinrichtungen zum Schlachten und Opfern der Tiere zu seinem lieblichen Geruch erhielt. So sprach Salomon der Weise bei der Einweihung dieses Tempels:
'Herr, Gott Israels! Es ist kein Gott dir gleich im Himmel oben und auf Erden unten!' Gleich darauf aber sprach er unter anderem: 'Damit alle Völker der Erde erkennen, dass er der Herr und Gott ist und außer ihm keiner mehr.'
Die Schrift berichtet, wie zur Einweihung des Tempels 22.000 Rinder und 120.000 Schafe geopfert wurden.
Denkt nach, welche Ströme von Blut da geflossen sind und welchen Gestank die vielen Brandopfer entwickelten zum über-süßen Geruch für euren Gott.
Ebenso berichtet die Schrift, wie Salomon als Dichter den Psalmensänger David übertraf. Lest das Hohelied Salomons, das er seinen Lieblingsweibern dichtete. Ich will die Worte nicht in den Mund nehmen, welche dieser Wüstling in der Befriedigung seiner krankhaften Gefühle zum Ausdruck bringt. Sie geben Zeugnis, in welchem Geiste sich der weise Salomon betätigte.

Im gleichen abscheulichen Geiste lebten und wirkten die nachfolgenden Könige und Propheten eures Volkes. Alle hatten den Satan als Gott und waren durchwegs Mörder, Räuber, Lügner und Heuchler. Die von euch, ihr Oberen und Rabbi, als Propheten Gottes ausgegebenen heiligen Männer pflegten den Verkehr mit dem Jenseits und bedienten sich dazu der Mittler, durch die der Satan mit Hilfe seiner ihm im Jenseits nahestehenden Wesen in seinem Geiste sprechen und immer neue Blutopfer und Gräueltaten verlangen konnte. Nur so war es möglich, sich bei euch Juden durchzusetzen und euch ihm untertan und gläubig zu machen.
Ich kann euch nur sagen, dass der Satan seine Knechte im Irdischen gut kennt. Er weiß auch, dass im Verkehr mit dem Jenseits nicht der Mittler als Werkzeug allein in Betracht kommt, sondern immer derjenige, der als Empfänger den Mittler als Sprechwerkzeug für die Übertragung benützt. Denn dieser führt den eigentlichen Verkehr mit den jenseitigen Wesen, wobei er das sich kundgebende Geisteswesen für wahr und gut oder für unwahr und böse hält und sich für den einen oder den anderen entscheiden muss. Weiß der Satan einmal, mit wem er es zu tun hat, so weiß er bereits, wie er diesen beeinflussen kann, um ihn für sich dienstbar zu machen. Er spricht dann so zu ihm und heuchelt ihm vor in dem Sinne, wie jener Mensch im Denken und Fühlen eingestellt ist. So bringt er ebenfalls Worte der Wahrheit, wie Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Hat er einmal die Gefühle der Zuhörer weich gemacht, dann hat er sie meistens schon gewonnen.
Seine Lügen werden vor und hinter den Worten der Wahrheit angebracht und ein frommer, gottesfürchtiger Sinn wird beigegeben, so dass neben Liebe Haß, neben Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Strafe, Rache und Vergeltung aufscheinen. Sind die Menschen einmal so weit, dass sie alle seine Worte glauben, dann kommt er mit der Aufopferung, die sein Hauptverlangen ist. Die Gläubigen wetteifern dann in der Verherrlichung und Anbetung seines Wesens. Sie werden Fanatiker im Glauben und unermüdlich in der Aufopferung für seinen unerforschlichen, geheimnisvollen Geist der Lüge und Bosheit, bis sie so weit kommen wie ihr, und zu Knechten jenes im abscheulichen Geiste tätigen Wesens werden.
Ich sage euch, ihr Oberen und Rabbi, dass eure für heilig gehaltenen Schriften Dokumente des Satans darstellen, da sie in seinem Geiste geschrieben sind und den kommenden Menschengeschlechtern zur Erkenntnis dienen werden. Es wird ihnen durch sie leicht sein euren Rache- und Lügengott und das in seinem Geiste Geschriebene voll und ganz zu erkennen. Seht, dieser Lügner hat selbst diese Schriften entstehen lassen, durch welche man ihn, so, wie er wahrhaft ist, leicht erkennen wird.
Ihr Heuchler wisst genau, dass das sich in eurer Schrift für den allmächtigen Gott ausgebende Wesen der Satan selbst ist. Doch weil ihr seine Oberen seid und gleich ihm über die Menschen herrschen, sie durch List und Betrug ausbeuten und so ein angesehenes Prasserleben führen könnt, folgt ihr ihm gerne und haltet ihn für Gott. Ihr zieht in der Welt herum und bemüht euch, die Menschen für Geld und Versprechungen für die Betätigung in seinem Geiste zu gewinnen, damit auch sie, gleich euch, seine Knechte werden. Denn: Je mehr es sind, umso mehr Einkünfte und Ansehen kommen euch wieder zu.
Hört: Ich, das von Ewigkeit vollkommene, im Geiste größte Wesen, brauche keine Gebote und Verbote, weder in der Wahren Welt noch hier auf dieser Welt oder in den Welten des Jenseits. Ich sage nicht: Du musst! Du sollst! Du darfst oder du darfst nicht! Mein Geist ist die Wahrheit und Nächstenliebe! Dieser Geist verträgt keine Gebote und Verbote, keine Heuchelei, keinen Glauben, keine Zeremonie und Lobhudelei, keinen Zwang, keine Demut, keine Furcht!
Mein Geist ist das 'Licht', welches überall hin leuchtet. Seine Strahlen treffen jedes erkenntnisfähige Wesen, auch in der größten 'Finsternis'. Dieses braucht nur dem Lichte nachzugehen und nicht Finsternis zu schaffen. Es gelangt sicher zu mir und wird mich erkennen. Wohl ist dieser Weg hier im Irdischen voll Dornen und Steine, die der Satan und ihr, seine Knechte, herschaffen. Dabei schafft ihr eine so große 'geistige Finsternis' dazu, wodurch viele Menschen zur Verzweiflung gebracht werden, so dass ihnen die Finsternis langsam zur Gewohnheit wird. Ihr seid diejenigen, die dem Satan eine hohe Mauer bauen, über die die Menschen nicht mehr hinübersehen.
Ihr Oberen und Rabbi verbietet den Menschen über diese Mauer zu schauen, damit sie den Abgrund dahinter nicht sehen und nicht erkennen, wer der Urheber alles Bösen ist und wie ihr, seine Knechte die Menschen betrügt. Durch euch erst wird diese Welt zur Hölle gemacht. Ihr falschen Wegweiser führt die Menschen nur entlang der Mauer, denn ihr selbst wollt nicht hinüber in den Abgrund schauen, weil euch selbst davor graut. Die Mauer stellt den irdischen Tod dar. Ihr wisst, dass es ein Weiterleben gibt, seid aber unermüdlich daran, den Ausblick über die Mauer zu verhindern, damit die Menschen ja nichts vom ewigen Leben hören; ihr lehrt sie vom Tod und von der Grube und dass mit dem Sterben das Leben zu Ende ist. Es sagt sich jeder von euch: Genieße nur das Leben, soviel du kannst, auf Kosten der anderen. Dabei droht ihr Heuchler allen, die sich nicht in eurem abscheulichen Geiste betätigen wollen, mit dem Tode, vor welchem ihr selbst eine so heillose Angst habt.
Ich frage euch: Kann der irdische Tod wirklich so arg sein, wenn es nach eurer Lehre kein Weiterleben gibt?
Ihr könnt es mir nicht ableugnen, dass ihr den geistigen Verkehr mit den Jenseits durch Mittler gepflegt und euch überzeugt habt, dass es ein Weiterleben nach dem irdischen Ableben gibt. Eben deshalb, weil ihr es wisst, habt ihr eine so heillose Angst vor dem Sterben.
Ich sage euch, jene Armen, die ihr jetzt verführt und denen ihr Steine und Dornen auf den Weg legt, über die sie oft stolpern und sich von den giftigen Dornen klaffende Wunden zuziehen, werden einst den Abgrund und die Finsternis sehen und den Satan sowie euch, seine Knechte, erkennen. Sie werden dem 'Lichtstrahl meines Geistes' nachgehen und mir auf immer reinerem Wege folgen, der nicht mehr geheimnisvoll und 'finster' sein wird. Es kommt die Zeit, da ihr Lügner diesen keine Steine und Dornen mehr auf den Weg legen könnt. Werden sie über eigene Hindernisse stolpern, so werden sie wieder aufstehen und den Weg zum Licht weitergehen, ohne von den Steinen und Dornen gequält zu werden.
Ihr willigen Knechte des Satans werdet auf euren finsteren Wegen, die ihr selbst mit Steinen und Dornen belegt habt, weiter wandeln. Die von euch zum Glauben Verführten, jedoch wieder der Wahrheit Zustrebenden, werden euch sehen und sich euer erbarmen. Aus Nächstenliebe werden sie sich bemühen, euch zu helfen und in meinem Geiste - der auch der ihre sein wird - zu leuchten, so ihr das Licht noch ertragen könnt und euch von ihnen helfen lassen wollt.
Hört: Wer meinen Geist in der Auswirkung erkennt und sich in ihm betätigt, der ist frei und wandelt 'im Lichte'. Dagegen wandelt jeder, der nur glaubt und nicht erkennt, in der 'Finsternis der Lüge und Bosheit' und ist damit dem Satan im Geiste nahe. Es wird allen erkenntnisfähigen Geisteswesen soviel gegeben, dass jeder erkennen kann, was wahr und gut oder was unwahr und böse ist. Jeder aber muss für sich selbst entscheiden, wo er sein ewiges Leben führen will; ob bei mir in meiner Welt der Wahrheit und Nächstenliebe, wo Licht, Friede und Glückseligkeit ist, oder im Reiche des verlogenen, bösen Geistes, des Satans, wo Eigenliebe, Herrschsucht, Gewalt, Vergeltung, Unfriede, Verzweiflung und daher Finsternis ist."

Mit den Worten „Der Friede sei mit euch!" beendete Christus seine Rede. Er ließ die anwesenden Kranken zu sich kommen und heilte alle durch seinen Willen. Anschließend ging er mit den Seinen den Weg nach Bethania zurück.
Claudia hatte die Worte Christi freudig aufgenommen und sich nochmals bei Christus für die Heilung bedankt. Gemeinsam mit Johannes ging sie nach Hause. Pilatus sowie seine Offiziere und Freunde warteten bereits mit Ungeduld auf Claudia.
Als Claudia die Vorhalle des Hauses betrat, ging ihr Pilatus entgegen, umarmte sie und sprach zu ihr:
„Ich traue meinen Augen nicht! Alle guten Götter! Bist du, Claudia, wirklich gesund?"
Dem harten Landpfleger und Soldaten kamen Tränen in die Augen; er fing zu schluchzen an und konnte kein Wort mehr sprechen. Dann ergriff er eine Statue, die in der Vorhalle stand - es war die Göttin der Weisheit - und zerschmetterte sie am Boden. Jetzt erst war es ihm möglich, zu rufen:
„Was ist die Weisheit der Menschen und aller Götter, die wir verehren, gegen den Geist dieses Wundermannes!"
Claudia beruhigte ihn und erzählte allen, was sie gesehen und gehört hatte. Sie übergab Pilatus den Beutel mit Geld und erklärte ihm, dass Christus kein Geld genommen und gesagt habe: „Wer einem anderen in der Nächstenliebe etwas gäbe, der gäbe es auch ihm, Christus."
Pilatus nahm den Beutel Geld und äußerte dabei, dass er bis jetzt keinen Menschen getroffen habe, der nicht Geld genommen hätte.
Pilatus dachte über die Worte Christi nach und sagte dann:
„So werde ich das Geld Bedürftigen geben, wie es der Wundermann gesagt hat; außerdem gebe ich Geld von mir dazu. Wir werden aus Anlass deiner Heilung ein Freudenfest veranstalten, zu dem wir den Wundermann einladen wollen."
Am nächsten Tag ging Claudia mit Johannes und ihren Dienerinnen wieder zu Christus und hörte seinen Ausführungen weiter zu.
Christus setzte die Erläuterungen über die Schrift fort und sagte zum Schluss seiner Rede zu den Oberen und Rabbi:
„So wie eure Väter in der Schrift den Satan und seinen verlogenen, rachsüchtigen mordgierigen Geist durch Frömmigkeit, Lobhudelei, Gebete, Sprüche und Psalmen nicht reinwaschen konnten, so wird es euch ebenfalls niemals gelingen, die Lügen dieser Schrift so zu verbergen, dass sie nicht erkannt werden. Ihr könnt aus dem fluchenden, nach Blut- und Brandopfern lechzenden Satan, wie er sich in der Schrift kundgibt, keinen all-gütigen Gott machen, und wenn ihr es bis in Ewigkeit versucht. Sein Geist ist und bleibt das Niedrigste und Abscheulichste, was an Verlogenheit und Bosheit erdacht werden kann."
Christus richtete nun seine Worte an die Menge und sagte:
„Ihr habt den Willen aufgebracht, Tage hindurch meine Worte zu hören. Bringt nun den Mut auf und glaubt den Lügnern nicht mehr, sondern erkennt, was wahr und gut, oder was unwahr und böse ist!
Seht doch, wie arm dieser Lügen- und Rachegott der jüdischen Schrift ist! Er ist nur der Gott jener Menschen und beherrscht nur diese, die eben seine Lügen glauben und nicht erkennen wollen oder jene, welche an und für sich Heuchler sind und ihm willige Knechte abgeben.
Merkt euch: Wer den Satan und seine Lügen erkannt hat und sich meinem Geiste der Wahrheit und Nächstenliebe zuwendet, der braucht sich vor ihm nicht zu fürchten.
Ihr, die ihr aus dem Judenvolke seid, trachtet den Gott eurer Schrift, den Satan, zu überwinden, dann seid ihr erst wahre Israels! Seid bestrebt, euch selbst zu erkennen, so wird es euch leicht fallen, alles andere zu erkennen, wie auch mich, das im Geiste vollkommene Wesen, den Ewigen, der ich in Menschengestalt als Christus zu euch spreche.
Übt euch, wahrhaft zu sein und dient einer dem anderen in der Nächstenliebe, so wie ich allen diene. Nur so könnt ihr den Frieden in euch haben und euch dann erst des allgemeinen Friedens erfreuen.
Ich nehme von euch Abschied und ihr werdet mich einige Zeitlang nicht sehen. Ich komme aber nochmals nach Jerusalem. Wenn ihr mich auch nicht sehen könnt, so bin ich in meinem Geiste doch bei jedem, der ihn sucht und sich in ihm betätigt. Fürchtet die Drohungen des Satans nicht, denn dieser kann euch im Irdischen nur durch seine Knechte körperlich etwas antun. Eurem Geist, der in der Ewigkeit eingeschlossen ist und ewig bewusst leben wird, kann er nichts anhaben, so ihr es nicht wollt. Nach dem Absterben des irdischen Körpers wird erst das Geisteswesen mit den ihm ewig zukommenden kleinsten Geisteswesen frei und geht in jene Welt des schaffenden Geistes, auf die sein Wesen abgestimmt ist und die er sich selbst schafft.
Es gibt nach dem irdischen Ableben kein Gericht, keine Strafe, keine Vergeltung, aber auch keine Belohnung. Was sich jeder im irdischen Leben geistig angeeignet und geschaffen hat, das nimmt er mit ins Jenseits und schafft damit unter seinesgleichen weiter. Jeder Mensch ist ein erkenntnisfähiges Wesen und als solches für sich selbst und im Interesse des eigenen Lebens verpflichtet, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden, womit er das wahre Leben erkennt. Sein Wille entscheidet, wo und in welchem Geiste er zu leben gedenkt.
Ich, in meiner Vollkommenheit im Geiste der Wahrheit und Nächstenliebe, übe auf niemanden Zwang aus, sondern ich helfe jedem, der sich in meinem Geiste helfen lassen will.
Mein Friede sei mit euch!"
Darauf trat der oberste Führer der römischen Legionen, Aquarilus, an Christus heran, grüßte nach römischer Sitte und sagte, dass er im Auftrage des Landpflegers komme und seinen Gruß überbringe. Anschließend sagte er:
„Pilatus lässt dir sagen, dass er dich zum Feste einlädt, welches er anlässlich der Wunderheilung Claudias in seinem Hause veranstaltet."
Christus erwiderte den Gruß und sprach zu ihm:
„Überbringe Pilatus meinen Friedensgruß und sage, dass er meinetwegen kein Fest zu geben braucht. Ich bin nicht gekommen, um irdische Feste zu feiern. Mein Kommen ist für viele mehr als ein Fest. Dank und Ehre brauche ich nicht. Versuche, es ihm klar zu machen, dass er mich und meinen Geist bereits dadurch ehrt, weil er mich ungehindert lehren lässt. Damit schafft er sich mehr Ehre für die Ewigkeit und mit ihm sein Volk, das nicht gegen meinen Geist der Wahrheit ist. Ich lasse dem Landpfleger sagen, dass er das Geringste, das er den Armen gibt, mir gibt. Er möge meine Worte nicht missverstehen und sie nicht übel auslegen. Ich werde dann in sein Haus kommen, wenn die Zeit da ist. Zum Zeichen und zum Zeugnis meines Friedens will ich dir, Aquarilus, dein fehlendes Ohr, das dir dein leiblicher Bruder vor fünfundzwanzig Jahren aus Unvorsichtigkeit abgehauen hat, wieder anheilen."
Im selben Augenblick hatte Aquarilus wieder sein Ohr. Er griff mit der Hand darnach und rief:
„Wahrlich, Du hast nicht nur gute Götter um Dich, Du bist selbst ein Gott! Ich danke Dir!"

Aquarilus ging und berichtete Pilatus alles. Dieser dachte über die Worte Christi nach und sagte dann:
„Wenn es dem Wundermann genügt, dass er ungehindert öffentlich lehren darf, so werde ich ihm eine Erlaubnis für das ganze Reich ausstellen. Da er selbst nicht geehrt werden will, so werden wir eben ein Fest für die Armen veranstalten, das übermorgen stattfinden soll."
Pilatus bestimmte den Festplatz in der Stadt als Ort für die Abhaltung des Festes und ordnete gleichzeitig an, dass Musik dieses verschönern solle und zur Unterhaltung die üblichen Spiele veranstaltet würden. Alle alten Invaliden und Armen wurden dazu eingeladen. Alle Erschienenen wurden zuerst bewirtet und dann beschenkt.
An diesem Festtag lehrte Christus in Bethania bei den Essenern. Gegen Abend ging er mit den Seinen nach Jerusalem. Zum Feste hatten sich hundertzweiundfünfzig Invalide und siebenhundertvierzehn Arme eingefunden. Der Festplatz war mit Fahnen geschmückt, und die Tische waren reichlich mit Esswaren und Getränken gedeckt. Dem Aufruf des Landpflegers folgend, hatten die Reichen vieles hergegeben, darunter Kleidungsstücke für die Armen. Der vollzählige Stadtrat, Pilatus, seine Freunde und alle Offiziere fanden sich ein.
Um die neunte Stunde eröffneten die Bläser der Legionen mit dem Pilati-Marsch das Fest. Dann begann das Speerwerfen, welches bei keinem Feste fehlen durfte; außerdem machte es Pilatus größte Freude, da er sich selbst immer daran beteiligte.
Währenddessen hatten Diener auf den Tischen für jeden einzelnen Invaliden und Armen die Geschenke und fünf Silberlinge hingelegt. Claudia führte mit der Dienerschaft die Gäste selbst zu Tisch und übergab ihnen die Geschenke.
Pilatus hielt darauf eine kurze Ansprache. Er sagte:
„Wir feiern heute in Jerusalem wahrlich ein Fest der Freude und Zufriedenheit. Ich sehe jetzt, wie schön es ist, die Armen zu beschenken. Noch nie im Leben habe ich so große Freude empfunden wie heute.
Der Wundermann Christus hat recht, wenn er sagt, dass es Freude bereitet, Hilfebedürftigen Geschenke zu überreichen. Durch ihn, weil er mein liebes Weib Claudia heilte, ist das heutige Fest zustande gekommen.
Ich verstehe nun seine Worte über Nächstenliebe, die da heißen:
'Gib vor allem immer jenen, die weniger haben als du und nicht jenen, die ohnehin genug ihr Eigen nennen!'
Denn, je ärmer der Beschenkte ist, desto mehr Freude hat er, weil ihm das Geringste schon Freude bereitet. So will ich euch alten Soldaten den Sold um einen Silberling erhöhen. Denn, ihr seid tapfer gewesen und habt es verdient. Es wird von nun an jedes Jahr an diesem Tag ein Fest für die Armen abgehalten."
Nach diesen Worten brachte Pilatus ein Hoch auf den Kaiser, in das alle Anwesenden einstimmten.
Nachher trat ein Invalide vor Pilatus und dankte ihm im Namen aller für das Geschenkte. Er sagte:
„Du bist ein harter Soldat und ein strenger, jedoch gerechter Richter. Dabei bist du zu uns armen, alten Soldaten so gut. Wir danken dir und allen Göttern. Sie sollen dich uns noch lange als Landpfleger erhalten!"
Er und die Beschenkten brachten nun ein Hoch auf Pilatus. Darnach stimmten die Bläser das Lied „Die Helden, die bei den guten Göttern sind" an.
Gleich darauf vernahmen die Versammelten von weitem Hoch- und Willkommensrufe. Ein Vertrauter kam zu Pilatus und meldete ihm, dass der Wundermann Christus mit den Seinen eben eingetroffen sei.
Pilatus ließ sofort Platz machen und ging Christus unter dem Jubel der Festgäste entgegen. Er begrüßte ihn mit dem römischen Gruß und hieß ihn im Namen aller Anwesenden herzlich willkommen.
Christus hob die Hand und sagte:
„Mein Friede sei mit euch allen!"
Christus und die Seinen wurden zu einem Tisch geführt, an dem sie Platz nahmen und dann bewirtet wurden. Claudia setzte sich zu Maria und gab der Freude über ihr Erscheinen unverhohlen Ausdruck.
Pilatus fragte Christus, ob er ihm mit etwas dienen könne. Christus entgegnete ihm:
„Ich bin nicht der Bewirtung wegen gekommen. Ich bin nur deshalb gekommen, weil heute unter euch allen Friede ist. Auch ich will jenen Menschen, die Krüppel oder krank sind, etwas schenken, das ihnen niemand als ich allein geben kann.
Ich werde alle heilen, die ein Gebrechen haben oder sonst krank sind. Lasst sie alle zu mir kommen!"
Es kamen hundertzweiundfünfzig Kranke und Krüppel, denen entweder eine Hand, einen Fuß, ein oder zwei Augen fehlten und stellten sich vor Christus auf.
Nun sagte Christus zu ihnen:
„Seht meinen Willen in seiner Auswirkung! Ich will, dass ihr alle gesund seid und gesunde Glieder habt!"
Im selben Augenblick waren alle geheilt. Die Geheilten schauten sich gegenseitig verwundert an; jeder hatte seine normalen Glieder und die Blinden waren sehend.
Christus sprach weiter:
„Heute seht ihr, wie schön es ist und welche Freude ihr habt, wenn unter allen der Friede herrscht. Dies ist nur dann möglich, wenn sich alle als Brüder und Schwestern betrachten und einer dem anderen im Geiste der Wahrheit und Nächstenliebe dient. Nur, wenn der Größere im Geiste dem Kleineren im Geiste hilft, und wenn der, der mehr hat, dem, der zu wenig hat, gibt, können alle des Friedens teilhaftig sein.
Ich sage euch: Der Friede kommt nicht von außen! Nur, wenn jeder den Frieden in sich trägt, kann er diesen selbst wieder nach außen geben.
Seht, viel Habe macht keinen Frieden! Gibt jedoch der Besitzende davon dem Nächsten, so hat er selbst daran Freude.
Jeder, der Hilfe braucht, ist euer Nächster. Verurteilt nicht jene, die im Geiste kleiner sind. Ist einer im Geiste größer, so diene er umso mehr dem Kleineren im Geiste; umgekehrt wieder, diene der Kleinere im Geiste dem Größeren im Geiste. Der im Geiste Größere versuche nie, den im Geiste Kleineren nach seinem Maßstab zu messen.
So wie ihr einem eurer Angehörigen, der euch um Brot bittet, nicht Steine gebt, genauso sei euer Verhalten zu eurem Nächsten. Alles, was jemand für sich vom Nächsten will, das gebe oder mache er dem anderen.
Ein guter Baum bringt gute Früchte und ein gutes Werk der Nächstenliebe bringt wieder Nächstenliebe und den Frieden. Wer Böses sät, der kann nicht Gutes ernten. So, wie der Baum an seinen Früchten erkannt wird, so kann der Mensch an seinen Reden und Werken erkannt werden. Übt euch daher in der Wahrhaftigkeit und Nächstenliebe. Nur so geht ihr den richtigen Weg des Lebens. Er führt euch zu mir, zur Quelle des Friedens und der Glückseligkeit."
Die Worte Christi hatten Pilatus und die meisten Festgäste zu Tränen gerührt. Pilatus wollte Christus danken, brachte aber kein Wort heraus. Christus nahm nun Abschied von allen und sagte zum Schluss:
„So behaltet meine Worte und betätigt euch in der Nächstenliebe. Mein Friede sei mit euch!"
Da trat ein Soldat mit Tränen in den Augen zu Christus heran und sagte zu ihm:
„Du guter Wundermann! Ich hörte Deine Worte und sah Deine Wunder. Ich hätte eine große Bitte an Dich. Mein Hauptmann Vitelus von der 24. Legion stürzte vor vier Tagen vom Pferd. Er brach sich die Hand und den Fuß und liegt jetzt im Sterben. Er war uns Soldaten immer ein guter Kamerad. Du hast alle guten Götter mit Dir oder bist selber einer von ihnen. So bitte ich Dich, erbarme Dich seiner und heile ihn."
Ein Offizier wollte den Soldaten fortschicken und gab ihm deutlich zu verstehen, Christus nicht weiter zu belästigen.
Christus aber sagte:
„Verwehrt niemandem den Weg zu mir, wenn er zu mir kommen will; denn ich diene allen Menschen und bin für alle gekommen!"
Dem Soldaten gab er zur Antwort:
„Siehe, weil du meine Worte der Wahrheit und meine Werke der Nächstenliebe als gut erkennst und dein Verlangen Nächstenliebe ist, so will ich deinen Wunsch erfüllen. Gehe jetzt zu deinem Hauptmann; er ist geheilt und befindet sich bereits auf dem Wege hierher. Du wirst ihm unterwegs begegnen!"
Darauf verließ Christus mit den Seinen - unter dem Jubel der Festgäste - den Festplatz. Pilatus konnte vor Freude seiner Tränen nicht Herr werden; er schämte sich, dass er sich als Soldat nicht beherrschen konnte.

Pilatus ordnete nun an, das Fest zu beenden. Die vielen Festgäste besprachen untereinander die wunderbare Heilung der Kranken und befragte die Genesenen, was sie verspürt hätten und ob sie sich wohl fühlten. Da kam auch schon der Hauptmann Vitelus und erzählte voll Freude, was mit ihm geschehen war. Er sagte: „An mir ist ein Wunder geschehen! Ich bin wieder gesund! Als ich mit großen Schmerzen im Bett lag, da sah ich auf einmal den Wundermann Christus vor mir stehen. Er sprach zu mir: ,,Vitelus, stehe auf, du bist gesund! Gehe auf den Festplatz in die Stadt, du wirst dort erwartet." Ich stand auf und war gesund. Als mein Weib und meine Kinder dies sahen, fürchteten sie sich; sie konnten es nicht fassen, was mit mir vorgegangen war. Erst als sie sahen, dass ich mich anzog und wirklich gesund war, fielen sie mir um den Hals und weinten vor Freude."
Pilatus klärte Vitelus über seine Heilung auf und erzählte ihm, was sich auf dem Festplatz zugetragen hatte und dass auch viele andere Gäste von Christus geheilt worden waren.
Da erbat sich der römische Gelehrte Resotus bei Pilatus das Wort und richtete an die Menge folgende Ansprache:
„Hört, was ich euch zu sagen habe! Dieser Wundermann Christus hat wirklich alle guten Götter um sich oder ist selbst einer von ihnen und die anderen helfen ihm; denn allein kann er unmöglich das vollbringen, was wir vorhin erlebt und mit eigenen Augen gesehen haben. Ich hörte ihn einige Tage sprechen. Er zergliederte die jüdische Schrift und nannte den Geist ihres Gottes böse und abscheulich.
Wir Römer finden es für richtig, weil wir ebenfalls erkennen und sagen, dass die Juden falsch und böse sind und den obersten der bösen Götter zum Gott haben. Sie wollen von den guten Göttern nichts wissen. Ich hörte, welche Worte dieser Wundermann zu den Judenoberen sprach und wie er ihnen sagte, dass wir Römer, die sie gottlos und Heiden nennen, hundertmal besser seien als sie, weil wir das Gute vom Bösen unterscheiden können.
Ferner sprach er über die Schöpfung und das Leben. Ich konnte alle seine Worte nicht erfassen; doch muss ich bestätigen, dass seine Erklärungen frei von Widersprüchen und seine Werke gut und göttlich sind. Ich bitte euch, ihr Römer, habt nichts gegen diesen Wundermann und lasst euch nicht von den Juden gegen ihn verhetzen. Ich vernahm bereits, welchen Haß die Judenoberen gegen ihn hegen und dass sie ihm nach dem Leben trachten. Sie wollen ihn unmöglich machen, weil er ihnen die Wahrheit sagt, ihren bösen Gott Satan nennt und sie als seine Knechte bezeichnet. Diese falschen Menschen sagen, dass er den Teufel an seiner Seite habe, mit dessen Hilfe er seine Werke ausführt.
Wir Römer wissen aber, dass von den bösen Göttern nichts Gutes kommt und dass die guten Götter niemandem Böses tun. Dieser Wundermann tut aber nur Gutes und kann folglich nur gute Götter an seiner Seite haben. Nach meinem Ermessen ist er selbst einer der guten Götter und sicher der Oberste und Stärkste von ihnen. Ich bitte euch, ja nicht gegen ihn zu sein, sondern trachten wir alle nach seinem Geiste zu leben!"
Pilatus und die führenden Römer nahmen diese Worte mit Freuden auf.
Pilatus gab seiner Meinung dahingehend Ausdruck, indem er betont sagte:
„Wehe den Juden, die diesem Wundermann etwas zuleide tun!"
Er schrieb noch am selben Tag einen Begleitbrief für Christus, mit welchem ihm als römischen Bürger das Recht verliehen wurde, im ganzen Römischen Reich zu lehren.
Pilatus ließ Hauptmann Vitelus zu sich rufen und gab ihm den Auftrag, den Brief persönlich morgen in der Früh um die erste Stunde nach Bethania zu bringen und Christus zu überreichen; ferner Grüße von ihm zu übermitteln. Außerdem erinnerte er ihn, er möge nicht vergessen, sich persönlich bei Christus für seine Heilung zu bedanken.
Hauptmann Vitelus erreichte gerade Christus, als dieser von den Essenern Abschied nahm. Der Hauptmann stieg vom Pferd, ging zu Christus und übergab ihm den Brief mit den Worten:
„Ich überbringe Dir Grüße von Pilatus; nimm hier den Brief entgegen, den er Dir schickt. Ich benütze diese Gelegenheit, Dir für die an mir vollzogene Heilung zu danken, denn Du warst es, der vor meinem Bette stand und sagte: 'Stehe auf - du bist gesund!' Du bist wirklich einer der guten Götter. Sei mir, bitte, in Hinkunft behilflich und beschütze mich vor allen bösen Göttern. Solange ich lebe, werde ich Dich verehren!"
Christus erwiderte ihm:
„Siehe, ich bin bei jedem, der Hilfe braucht. Doch kann ich nur demjenigen helfen, der sich in meinem Geiste helfen lassen will. Glaube nicht die Lügen des Bösen, und trachte, die Wahrheit in allem zu suchen. Ich sage dir, dass ich bei dir bin, wenn du mich auch nicht siehst. Nur so wird es dir möglich sein, mich, den Ewigen, zu erkennen. Du brauchst dann keine Furcht mehr vor dem Bösen zu haben; denn mein Friede wird in dir sein.
Betrachte alle Menschen als deine Nächsten - als Bruder oder Schwester - und betätige dich in der Nächstenliebe. Hilf jedem, der dich um Hilfe bittet. Jenem aber, der sich nicht helfen lassen will, trage nichts nach, sondern bedaure ihn. Dieser ist blind im Glauben und handelt im Unwissen oder er ist ein bewusster Lügner und williger Knecht des Satans.
Siehe, der Gläubige fürchtet diesen, folgt ihm aber in seinem Unwissen und ist somit sein Knecht. Ich sage dir, Vitelus, dass du mich und die Auswirkung meines Geistes bald vollauf erkennen und mir nachfolgen wirst. Behalte meine Worte der Wahrheit in dir und trage sie weiter. Gehe und überbringe allen meinen Frieden."
Vitelus grüßte und ging. Er beschenkte den Knaben, der sein Pferd gehalten hatte, bestieg es und ritt heimwärts, dabei über die Worte Christi nachdenkend.
Christus und die Seinen, darunter auch Johannes, der Sohn des Kämmerers Auris Burger bei Pilatus verließen Bethania und gingen den Weg nach Gazara.

In Gazara empfingen die Essener Christus und die Seinen und gaben ihnen Unterkunft. Als Christus am nächsten Tag auf den Stadtplatz ging, um zu lehren, saßen zwei blinde Bettler auf dem Wege. Diese hatten von den Wundertaten Christi gehört und warteten auf ihn, um von ihm geheilt zu werden. Sie riefen ohne Unterlass nach Christus und sprachen die Worte „Christus, erbarme Dich unser!" dazu.
Da ging der Rabbi Masaias zu den Blinden, nahm beide bei der Hand und führte sie abseits in eine Seitengasse, damit sie Christus nicht begegnen sollten.
Auf dem großen Platz in Gazara hatte sich viel Volk, darunter Judenobere und Rabbi, versammelt, um den Ausführungen Christi zuzuhören. Christus begann mit folgenden Worten:
„Viele von euch haben auf dem Wege hierher zwei Blinde gesehen, die immerfort meinen Namen gerufen und gebeten haben, ich solle mich ihrer erbarmen. Ferner haben einige von euch bemerkt, wie nachher ein Rabbi zu ihnen gegangen ist und beide in eine Seitengasse geführt hat. So sind nun viele der Meinung, dass die Blinden aus Rücksicht auf mich, um mich nicht zu belästigen, weggeführt wurden. Ich sage euch aber, dass der Rabbi dies aus anderen Gründen getan hat; er führte sie nur deshalb weg, damit sie von mir nicht geheilt werden und ich dadurch dem Volke kein Zeugnis von meinem allumfassenden Erkennen geben kann.
Seht, ihr Judenoberen und Rabbi, so wie dieser, euer Rabbi, die zwei Blinden auf einen falschen Weg führte, damit sie nicht sehend werden, so führt auch ihr Lügner und Heuchler das Volk auf falschen Wegen in die 'geistige Finsternis'. Ihr könnt das Volk nur so lange irreführen, so lange es euch glaubt. Denn der Glaube ist mehr als irdische Blindheit. Doch ich sage euch, dass jene, die ihr in die 'geistige Finsternis' führt, einmal von mir hören und meinen Namen von selbst rufen werden.
Mögt ihr Knechte des Bösen sie noch so weit von mir wegführen und in das Reich des Satans bringen - ich werde ihr Rufen hören und in meinem Geiste bei ihnen sein. Mein Geist der Wahrheit und Nächstenliebe wird ihnen 'leuchten', und sie werden sehend den richtigen Weg gehen, der zu mir in meine Welt des Friedens und der Glückseligkeit führt."
An das Volk sich wendend, sprach Christus:
„Ich werde jetzt zum Zeugnis für alle diese zwei blinden Brüder sehend machen, damit ihr mich alle erkennt und die beiden Blinden nicht mehr den Verführern und Lügnern folgen müssen, sondern sehend den Weg zu mir gehen können."
Nach kurzer Zeit kamen beide gelaufen und stellten sich vor Christus auf. Sie sprachen vor Freude:
„Du bist derjenige, den wir gesehen haben, als wir noch blind waren; nur sahen wir Dich in einem anderen Lichte. Dann hörten wir Deine Worte: 'Ich werde jetzt zum Zeugnis für alle diese zwei blinden Brüder sehend machen.' Darauf öffneten wir die Augen und sahen im Irdischen. Wir schauten uns um und bemerkten in der Nähe jenen Rabbi, der uns weggeführt und uns erklärt hatte, dass Du, Christus, ein Zauberer und Gotteslästerer bist, dass der Teufel in Dir wohnt und Du niemanden heilen kannst. Als aber der Rabbi sah, dass wir sehend geworden waren, lief er davon. Wir erkannten sofort, dass er uns belogen und nur aus Bosheit auf den falschen Weg geführt hat, damit wir mit Dir nicht in Berührung kommen.
Christus, Du bist Gott, denn Blindgeborene hat bis jetzt niemand sehend gemacht. Wir danken Dir. Geben können wir Dir nichts, da wir beide sehr arm sind."
Christus erwiderte ihnen:
„Bleibt hier, hört meine Worte und erkennt die Auswirkung meines Geistes der Wahrheit, auf dass ihr euch in der Nächstenliebe betätigen könnt und dass ihr, wenn ihr einmal von dieser Welt ins Jenseits geht, nicht geistig blind, sondern sehend seid.
Denn ich sage euch: Im Jenseits befinden sich genauso wie hier Lügner und Knechte des Satans, die sich an jene, welche durch den Glauben geistig blind hinüberkommen, heranmachen und sie, selbst als geistig Blinde, auf falschem Wege weiterführen. Begreift doch, dass, wenn ein Blinder einen Blinden führt, keiner von ihnen sieht, wohin sie gehen und dadurch beide in den Abgrund fallen können."
Christus erklärte darauf den Versammelten die Schöpfung und die Wahre Welt, das ewige Leben, und ging dann auf die Schrift der Juden über. Er nannte den Urheber dieser Schrift einen Geistes- und Menschenmörder, der in der Wahrheit nicht bestanden und alles Böse in die Welt gesetzt hat.
Auf diese Worte fingen die Oberen und Rabbi zu fluchen und zu schimpfen an. Sie forderten ihren Gott Jahwe auf, Rache zu üben und schrien:
„Du Herr der Heerscharen, höre, wie dich dieser Gotteslästerer einen Geistes- und Menschenmörder nennt. Mache auf die Erde, dass sie ihn verschlinge und er darin umkomme!"
Christus erwiderte ihnen:
„Warum regt ihr Heuchler euch so auf und flucht mir, wenn ich die Worte eurer Schrift wiedergebe und sage, dass das in dieser Schrift sich kundgebende Geisteswesen, welches Blut- und Brandopfer von qualvoll geschlachteten Tieren und Menschen verlangt, die Menschen mit den niedrigsten Flüchen verdammt und jene vernichten will, welche seine gemeinen Lügen nicht glauben und die von ihm angeordneten abscheulichen Gräueltaten nicht ausführen wollen, ein Geistes- und Menschenmörder ist?"
Sagt mir: Gibt es einen noch niedrigeren, böseren Geist als den eures Gottes? Ihr Knechte dieses Gottes könnt lügen soviel ihr wollt, und die Lüge mit dem Wort Gottes zu verdecken trachten - ihr könnt dabei lobhudeln, Psalmen singen, beten und Zeremonien abhalten - und doch werdet ihr niemals aus eurer Schrift der Lüge und Bosheit eine Schrift der Wahrheit und Nächstenliebe und aus dem sich dort kundgebenden, rachsüchtigen und mordgierigen Wesen einen wahren Gott machen können!
Merkt euch: Diese eure Schrift ist und bleibt ein Dokument des Satans. Er selbst gibt sich doch darin voll und ganz zu erkennen, wie verlogen und böse er in seinem Geiste ist. Seht, andere Völker, die ihr Gottlose und Heiden nennt, erkennen, wie verlogen und böse eure Schrift ist und sagen, dass ihr Juden den obersten der bösen Götter, den Teufel, als alleinigen Gott habt und verehrt. Sie fürchten euren Gott und euch, weil ihr seine Knechte seid.
Ihr Juden könnt gar nicht als Volk untereinander leben. Andere Völker haben kommen müssen, um eurem Morden und Rauben unter euch und nach außen hin Einhalt zu gebieten, da die Auswirkung eures abscheulichen Geistes bereits Formen angenommen hat, die unerträglich geworden waren.
Jetzt verlangt und erwartet ihr einen Erlöser - einen Messias -, der kommen soll, um diejenigen, welche euch in der Ausübung eures gemeinen und abscheulichen Geistes hindern, wieder zu vernichten, wie es eben euer Gott immerfort von euren Vätern verlangt hat.
Ihr Heuchler und Knechte dieses Lügengottes wartet aber vergebens auf einen Erlöser, der alle Gräueltaten aus eurer Schrift durchführen soll.
Merkt euch: Der Satan selbst kann als Mensch nicht kommen, weil in dieser Welt für sein nach seinem Geiste verunstaltetes Wesen keine Lebensstoffe vorhanden sind. Er ist auf euch Judenobere und Rabbi angewiesen. Ihr müsst seine erfundenen Lügen weiter verbreiten und die von ihm angeordneten Gräueltaten entweder selbst verüben oder durch andere ausführen lassen. Seht, ich, das im Geiste größte und vollkommene Wesen, der Ewige, bin als Christus auf diese Welt gekommen, um allen Menschen die Auswirkung meines Geistes der Wahrheit und Nächstenliebe zu zeigen. Ich bin zu euch Knechten, die ihr im Geiste verlogen und böse seid, gekommen, um euch zu helfen. Weil ich euch aber die Wahrheit sage, dass der, den ihr Gott nennt, der Satan ist, und ihr seine Knechte seid, so flucht ihr mir und wollt meine Worte nicht hören.
Ich komme zu allen Menschen in der Nächstenliebe und erwarte sonst nichts, als dass jeder die Wahrheit zu erkennen versucht, und nachdem er sie erkannt hat, in dieser dem Nächsten dient!"
Da fragten einige Juden, was unter Wahrheit zu verstehen sei. Christus antwortete ihnen kurz:
„Die Wahrheit ist mein Eigentum; sie ist der Geist meiner Wesenheit, in dem ich von und bis in Ewigkeit beständig bin. Die Wahrheit - das Wahre - ist das Fundament der Schöpfung und ermöglicht das Leben aller Geisteswesen. Die Wahrheit - das Wahre und Gute - wirkt sich immer in der Nächstenliebe aus.
Kommt mit mir und seht, was es heißt, in der Wahrheit und Nächstenliebe beständig zu sein. Ihr werdet erkennen, wie schwer es ist, dem gläubigen und im Geiste verbildeten und verirrten Menschen zu helfen und ihn von seinem Glaubensgeist zu befreien.
Geht zu euren Stammesbrüdern, den Juden, und sagt ihnen die Wahrheit, dass ihr rachsüchtiger und mordgieriger Gott ein Lügner, Heuchler und Verführer ist und dass sie seine Knechte sind; ihr werdet sehen, mit welchem Haß sie euch verfolgen und welche Bosheit sie euch auskosten lassen werden.
Sie werden über meinen Geist der Wahrheit und Nächstenliebe lachen und von mir nichts wissen wollen, dafür aber ihren nach ihrem Geiste handelnden Gott verteidigen und euch erwidern, dass ein Gott, der nicht wie ein König regiert, nicht richtet, nicht entlohnt, nicht bestraft, nicht rächt und Vergeltung übt, nicht verdammt und - wenn ihm viel Opfer gebracht werden und er allein angebetet wird – vergibt, nicht allmächtig sein kann und deshalb kein Gott ist."
Nach diesen Worten ließ Christus die Kranken zu sich kommen und heilte alle durch seinen Willen. Das versammelte Volk dankte Christus für seine Ausführungen und für seine vollbrachten Werke der Nächstenliebe.
Die dortigen Essener nannten sich Christen.
Viele Götterverehrer und Juden, die den Geist der Wahrheit und Nächstenliebe in der Auswirkung als gut erkannten und sich in ihm betätigen wollten, traten der Christengemeinde bei.